Wie ein neues Sofa mein Leben veränderte – Entrümpeln, Aufräumen, Ausmisten

Wie ein neues Sofa mein Leben veränderte – Entrümpeln, Aufräumen, Ausmisten

Neulich kam ich in meine Wohnung, ich war fürs Kino verabredet und wollte vorher noch schnell ein paar Maße in meiner Wohnung nehmen. Ein neues Sofa sollte einziehen, vorausgesetzt, es passte.

Es passte nicht, jedenfalls nicht, wenn alles blieb wie es war, soviel war sicher. Also galt es zu überlegen, was zu ändern war, wenn das neue Sofa denn einziehen sollte.

All‘ die vielen Dinge

Doch wie der Fülle an Dingen Herr werden? Mit einem Schlag überkam mich die Erkenntnis, was sich bei mir alles angesammelt hatte, wie viel davon ich gar nicht brauchte, geschweige denn nutzte. Ich fühlte mich plötzlich erdrückt von meinem eigenen Hab und Gut und eine Mischung aus Frustration und Reue überfiel mich. Erschwerend hinzu kam, dass, wenn man beginnt, Möbel zu schieben, sich gerne einmal Schmutznester auftun, die einem das Gefühl vermitteln, ein schlampiger Putzmuffel zu sein.

Keep Calm

Ein wenig durch den Wind ob all‘ dieser negativen Gedanken, traf ich im Kino ein und auf eine Freundin, die zum Glück viel Verständnis für meine aufgewühlte, unzufriedene und pessimistische Laune hatte. Nach einem Pimm’s Cup sah die Welt schon etwas freundlicher aus und einen Eimer Popcorn später hatte ich das Gefühl mich den auf mich zurollenden Herausforderungen stellen zu können.

Wieder daheim angekommen, warf ich zunächst einmal alle Bedenken hinsichtlich nächtlicher Ruhestörung über Bord und begann um 22:30 gründlich staubzusaugen… wenn ich das hier so lese, klingt es etwas asozial, aber tatsächlich gab es mir in dem Moment das Gefühl, alles im Griff zu haben.

Alles muss raus!

Am nächsten Tag konnte ich es kaum erwarten, mit der großen Ausmistaktion zu beginnen. Nach der Arbeit begann ich, so strukturiert wie möglich, Raum für Raum auf potentielle Optimierungen zu untersuchen, entsorgte hier, putzte dort und füllte so Mülltüte um Mülltüte mit zu Entsorgendem, Ungeliebtem, Vergessenem.

Ein großer Part, der nicht nur Platz einnahm, sondern auchein schlechtes Gewissen machte, waren meine aussortierte Klamotten, Schuhe und Bücher, die wie Mahnmale im Weg herumstanden. In meinem Optimierungswahn war das Warten auf den nächsten Flohmarkt – April – keine Option. Eine Freundin hatte mir vor kurzem davon berichtet, dass sie hier vermitteln könne, ich kontaktierte sie direkt und fragte, ob und wann ich ihr die Sachen bringen dürfe. Ich durfte und man glaubt gar nicht, was für ein Ballast von einem abfällt, wenn man sich solcher Dinge entledigen kann.

Bereit zum Abholen – Aufräumen befreit!

Beim Aufräumen, Ausmisten und Entrümpeln ist das Tun, Anpacken, Umsetzen immer dem Planen, Vorhaben oder ins Auge fassen vorzuziehen, denn neben dem tatsächlichen Platz den Dinge einnehmen, die man nicht mehr haben möchten, beanspruchen sie einen immer größeren Raum in den Gedanken.

Aufräumen, ausmisten, entrümpeln leicht gemacht

Hier ein paar Ideen, die mir wirklich sehr geholfen haben:

  1. Welche Möbel machen keinen Sinn mehr?
    a. Kenne ich jemanden, der Spaß daran hätte?
    b. Wo kann ich sie inserieren?
    c. Ist demnächst Sperrmüll?
    d. Ist mein Keller groß genug?
  2. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich die 6 Jahrgänge Instyle, die 5 Jahrgänge ELLE und die 4 Jahrgänge ELLE Decoration nochmal lese?
    a. Schwere Zeitschriften lassen sich besser tragen, wenn man einen Teil in Taschen verpackt.
    b. Wer mehrere Mülltonnen zur Auswahl hat, sollte die Zeitschriften aufgrund ihres Gewichts gut verteilen.
  3. Manchmal schafft Umräumen neuen Platz, der eventuell sogar ganze Möbelstücke überflüssig werden lässt. Manche Möbelstücke machen in einem anderen Raum, in einer anderen Kombination viel mehr Sinn.
  4. Ein schönes Bild, auch ein Tipp, den ich einmal bekommen habe: Nur noch Dinge behalten, die einem ein gutes Gefühl geben, die man mag, an denen man tatsächlich hängt und die man braucht oder gebraucht.
  5. Der beste, da praktischste und am leichtesten umzusetzende Tipp, der zusätzlich noch eine pädagogische Komponente hat, kam von meiner Kollegin und Freundin (ja, genau die, die ich sieze). Er wird mich zukünftig begleiten und, so hoffe ich, mir das Leben erleichtern. Hier ist er: Jeden Tag, einen Korb voll ausmisten – am besten zum Entsorgen, aber durchaus auch zum Verschenken oder Verkaufen.

Was kann weg?

Aber was sind denn solche typischen Sachen zum Entsorgen: Das können abgelaufene Gewürze oder Backzutaten sein, Geschirr, das man nicht benutzt, Bad- und Kosmetikartikel, die ihre besten Tage hinter sich haben oder deren Duft man noch nie mochte. Alte Handtücher, Lieblingsstrümpfe mit Laufmaschen (nein, auch zu hohen Stiefeln und langen Jacken werden sie einem immer ein blödes, unsicheres Gefühl vermitteln), vergraute Lieblingsshirts, Dekokram, der einem schon lange ein Dorn im Auge ist, Hundesachen, die man mal total süß oder toll oder praktisch fand, die aber entweder mir oder dem Kokettier nicht mehr zusagen, leere Ginflaschen, die man mal als Blumenvase cool fand, die aber nur noch verstauben und Platz wegnehmen.

Zeitschriften als Chronik? 

Und eben die vielen Zeitschriften und Zeitungsausschnitte, die man nie wieder anschaut, die einem aber das Gefühl geben, alles jederzeit nachschlagen zu können oder die Hoffnung, Inspiration zu finden. Das ist doch schon der nächste Zeitfresser – Jahrgänge von Zeitschriften auf die Nadel im Heuhaufen zu durchsuchen oder einfach mal so durchzublättern… Tatsächlich fiel mir das aber am schwersten… ich hatte ein bisschen das Gefühl mit den Jahrgängen auch ein Stück von mir wie ich damals war, zu entsorgen. Als seien die Seiten ein Spiegel, der mir mein jüngeres Ich zeigen oder mich ihm zumindest näherbringen könnte… nun ja, ich habe viel Platz gewonnen.

 

Zeitschriften als Spiegel eines jüngeren Ichs? Vielleicht für Sharon Stone und Keira Knightley…

Schade um das schöne Geld?

Ich hatte Angst, dass ich mir bei vielen Dinge Gedanken machen würde, hach, was das mal gekostet hat… Habe ich auch ab und zu und kann nur davon abraten. Aber ist es nicht doppelte Selbstgeißelung, sich ständig vor Augen zu halten, was für eine Fehlinvestition man getätigt hat und es sich dann auch noch zu versagen, sie zu entsorgen? Nein, weg damit!

Weiter geht’s!

Das neue Sofa ist dann doch eingezogen, und hat frischen Wind in meine Wohnung gebracht, einen ganz neuen Anspruch und irgendwie auch ein neues Lebensgefühl.

Das neue Sofa hat viel bewegt, dabei lädt es doch förmlich zum Ausruhen ein. Findet auch das Kokettier.

Ach ja, im Rahmen dieser Sinnkrise kommunizierte ich mit einer Facebook-Freundin zu diesen Themen, die mir das Buch „Die magische Küchenspüle“ ans Herz legte. Ich habe noch nicht reingeschaut, denke aber, dass ich hier nochmal mächtig viel Optimierungspotential finden werde, denn ich bin noch lange nicht am Ende meiner materiellen Entschlackung. Und das Schöne ist: Ich freu mich drauf!

… vielleicht liest man sich wieder …

5 Replies to “Wie ein neues Sofa mein Leben veränderte – Entrümpeln, Aufräumen, Ausmisten”

  1. Wunderbar geschrieben …. kenne das gute Gefühle . Leider falle ich immer wieder in „ ach heb das mal auf „ zurück
    Und das Sofa passt glaube ich gut zu euch ( kenne euch nur aus Facebook )

    1. Vielen Dank, es freut mich sehr, wenn man sich in den Beiträgen an der einen oder anderen Stelle wiedererkennt. Und das Sofa ist zwar ganz anders als das davor, aber es lädt dazu ein sich niederzulassen. Und es lädt auch zur Reduktion ein – beides kann richtig gut tun.

  2. Das Sofa sieht sehr schön aus. Schöner Artikel und es stimmt ja einfach, dass Entrümpeln erleichtert und leere Ginflaschen haben auch als coole Vase lediglich eine geringe Halbwertzeit, denke, sie gegen das Sofa einzutauschen, war die richtige Wahl 😉

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