Was sollen die Leute von mir denken?!

Was sollen die Leute von mir denken?!

„Was sollen die Leute von mir denken?!“

Bisher war diese fragwürdige Frage für mich stets Warnung oder Vorwurf, implizit war immer, dass besagte Leute vermutlich nichts Gutes denken werden.

Seit einer Weile, eigentlich seit Beginn dieses Jahres, versuche ich ganz bewusst, meinen Ängsten und meinen so genannten Glaubenssätzen, auf die Spur zu kommen. Ich glaube, dass man sich nur dann weiterentwickeln kann, wenn man sich dieser kleinen fiesen Blockaden bewusst wird und sie im Idealfall eliminiert. Naja, manchmal reicht es vielleicht auch, sie zu modifizieren.

Was sollen die Leute denn von mir denken?

Liegt es nicht – gerade angesichts meiner Profession als Marketingleiterin, als Kommunikatorin – an mir, was sie von mir denken und zwar nicht im Sinne von „sie werden sich schon ihren Teil denken“,  sondern im Sinne von „was möchte ich denn, was sie von mir denken?“ Sozusagen im Sinne von „Denken lenken.“

Was sollen die Leute von mir denken?! Foto: Kathrin Krok

Muss es mich andererseits wirklich tangieren, was sie von mir denken? Sind die Gedanken nicht frei? Und macht es Sinn, dass ich mir darüber Gedanken mache, was sie von mir denken könnten? Nicht, dass ich am Ende denke, ich wüsste, was sie denken und sie denken etwas ganz Anderes.

Und, was wäre, wenn sie sich gar nichts denken? Wenn ich in ihren Gedanken gar nicht vorkomme? Nicht auszudenken!

Statt allzuviel darüber nachzudenken, was in anderen Köpfen vorgeht und welche Rolle ich dabei spielen könnte, wäre es da nicht viel klüger, Menschen zu fragen, was sie denken? Feedback einzuholen. Und Gelegenheiten zu nutzen, in denen man Feedback bekommt?

Und wäre es nicht toll, wenn man  damit sowohl Ängsten begegnen, als auch Glaubenssätze relativieren könnte?

Ein kleines Praxisbeispiel:

Heute Abend war ich bei einer Networking-Gruppe bei mir im Ort (einem wirklich sehr kleinen fränkischen Ort) eingeladen. Der Kontakt hatte sich mehr oder weniger zufällig ergeben. Beim ersten Termin war ich verhindert, heute war ich zu spät.

„Macht es noch Sinn, wenn ich eh zu spät bin?“

„Ist es nicht peinlich, wenn ich da niemanden kenne, und dann bin ich auch noch zu spät?“

„Ich kann ja nächstes Mal hingehen.“

„…eigentlich wollte ich mich doch noch umziehen und das Kokettier daheim lassen…“

Seltsamerweise und sehr untypisch für mich (ich vermeide sehr gerne unangenehme Situationen oder solche, die ich dafür halte), beschloß ich, spät wie ich war, zu den fremden Leuten in der fremden Location, nicht umgezogen und mit Kokettier im Schlepptau, dazuzustoßen.

Das Kokettier immer im Schlepptau, Foto: Kathrin Krok

Ich platzte auch prompt in den Vortrag einer der Anwesenden. Trotzdem war es bei Weitem nicht so unangenehm wie befürchtet. Das hätte mich bereits stutzig werden lassen müssen.

Reihum stellten sich die Gäste vor, jeder ein wenig anders, mit seiner Geschichte, seinem Anliegen, seinen Zielen, seinen Erwartungen. Dabei ging es um die unterschiedlichsten Themen, viele davon hatten mit Helfen,mit Heilen mit Entwicklung und Therapie zu tun. Jedem wurde zugehört, jedem Feedback gegeben.

Als ich schließlich an der Reihe war, dachte ich nicht „was werden die anderen von mir denken“, sondern ich habe erzählt, was ich denke, welche Bedenken ich habe und was mich bewegt.  Ich habe von diesem Blog erzählt, von meinem Traum von der Stilberatung, was ich darunter verstehe und was mich davon abhält, einfach loszulegen.

Und auch mir wurde zugehört und Feedback gegeben. Von fremden Menschen. Feedback, das für mich so überraschend und vermutlich gerade deshalb so ergreifend war, dass mir die Tränen kamen. Vor fremden Menschen.

Zuhören und DARÜBER nachdenken! Foto: Kathrin Krok

Was sollten diese nun von mir denken?! Die Frage stellte sich gar nicht, denn das hatten sie bereits gesagt.

Beim nächsten Treffen darf ich meine konkreten Ideen, mein Verständnis von Stilberatung präsentieren und ich habe zahlreiche Anregungen bekommen, positive Rückmeldungen wie nützlich und unterschätzt das ist, was ich vorhabe und wie positiv meine Offenheit wahrgenommen wurde.

Ich mag nicht darüber nachdenken, was sie gedacht hätten, wenn ich mir mehr Gedanken gemacht hätte, was sie denken könnten.

Ich bin sicher, der Abend wäre bei Weitem nicht so bereichernd gewesen.

Ach ja, noch vor Kurzem hätte ich gedacht: Networking auf dem Dorf? Lauter esoterisches Zeug?

„Was denken die sich denn?“

Ich hätte mir eine Chance vergeben, es verpasst, wertvolle Menschen kennenzulernen und viel für mich mitzunehmen. Stattdessen bin ich heute inspiriert und mit kicherndem Herzen heimgegangen.

Vielleicht neigt man dazu, anderen zu unterstellen, was man selbst tut? Vielleicht hat man ja quasi Angst vor sich selbst, den eigenen Unarten?  Vielleicht muss man mit sich selbst im Reinen sein, um offen auf andere zugehen zu können?

Nur so ein Gedanke.

… vielleicht liest man sich wieder …

Titelbild: Kathrin Krok – danke!

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