Was Mephisto mit Saftkuren und Zahnschmelz zu tun hat

Was Mephisto mit Saftkuren und Zahnschmelz zu tun hat

[Ich bin] ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. …
Ich bin der Geist, der stets verneint!

Johann Wolfgang von Goethe, Faust, der Tragödie erster Teil

Dieser Ausspruch Mephistos, des gnitzen, witzigen und teuflischen Gegenspielers Fausts, ist eines der vielen Faust-Zitate, die man kennt, bevor man weiß, dass es neben der Faust auch noch einen Faust gibt. Zumindest mir ging es so, war ich doch mit des Pudels Kern, zwei Seelen, ach! in meiner Brust und der Gretchenfrage aufgewachsen und hielt sie vermutlich für Schöpfungen meiner Mutter.

Zum gnitzen Mephisto eine kurze Frage -wer kennt das Wort „gnitz“, eine Mischung aus verschmitzt und bauernschlau? Ich musste gerade feststellen, dass es offenbar nicht besonders üblich ist, dafür war mir bis dato die zu Usedom gehörende Halbinsel „Gnitz“ gänzlich unbekannt.

Wie dem auch sei, worauf ich eigentlich hinaus möchte, ist das tragische Schicksal, stets das Böse zu wollen und dabei das Gute zu schaffen und sein weitaus verbreiteteres, nicht minder tragisches Gegenstück, im Volksmund „gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.“

Wie oft meinen wir etwas gut, wollen jemand anderem oder uns etwas Gutes tun und scheitern kläglich, erreichen schlichtweg das Gegenteil oder generieren, teilweise nicht unerhebliche, Kollateralschäden.

So geschehen, im Rahmen meiner gut gemeinten und wie ich finde auch gut gemachten Saftkur

Zu Tage traten die unerwünschten Nebenwirkungen, wie könnte es anders sein, bei einem der angekündigten Arzttermine und zwar just beim Zahnarzttermin in der  Praxis meines Vaters.

„Hast Du in letzter Zeit Empfindlichkeiten festgestellt?“ fragte mich mein Vater? „Äh… ja, während der Saftkur, sind aber inzwischen weg.“ antwortete ich.

Er: „Womit putzt Du aktuell?“ Ich: „BioRepair Zahnpasta… und ich spüle mit der Zahnmilch, da schwöre ich drauf.“ Er: „Sehr gut, mach das unbedingt auch weiterhin.“ Ich: „Wieso?“ Er; „Du musst was tun, Dein Zahnschmelz ist ziemlich angegriffen.“ Ich: „Waaaaaaaas???“

Und dann bekam ich eine Erklärung, die Erklärung eines Phänomens, das jeder aus eigener Erfahrung kennt, das man aber gerne verdrängt oder zumindest ausblendet.

Ursache und Wirkung

Während inzwischen jedem bewusst sein sollte, dass Zucker schädlich für die Zähne ist, werden Säuren, die in vielerlei Lebensmitteln vorkommen, insbesondere in Obst, in ihrer Wirkung eher unterschätzt. Während Zucker allgemein als ungesund bekannt ist, gilt Obst als gesund. Mehrere Portionen am Tag werden empfohlen, der gesunde Snack für zwischendurch.

Tatsächlich sind die in Obst enthaltenen Säuren oft den besonders aggressiven Oxalsäuren zugehörig. Ein gutes Beispiel sind Trauben, sie sind voll davon. Doch auch andere Obstsorten sind äußerst schädlich für unseren Zahnschmelz, die Schutzhülle unserer Zähne.

Special Case „Saftkur“

Das besonders schädliche an einer Saftkur ist das regelmäßige, wiederkehrende Konsumieren von Säften mit teilweise hohem Säureanteil (Zitrone). Besser wäre eine einmalige Dosis, nach der die Zähne in Ruhe remineralisieren können. Stattdessen werden sie alle zwei Stunden erneut attackiert. Das macht sie, insbesondere nach einem Zeitraum von mehreren Tagen, im wahrsten Sinne des Wortes mürbe.

Machen dem Zahnschmelz ganz schön zu schaffen … 6 Säfte, alle zwei Stunden einer

Erdbeeren für weiße Zähne

Warum wohl kann man zerdrückte Erdbeeren nutzen, um die Zähne weißer zu bekommen? Weil die enthaltene Säure in Kombination mit den peelenden Körnchen auf der Erdbeere auf den Zahnschmelz eine abrasive, damit schädigende, zunächst aber auch aufhellende Wirkung hat.

Mit Geduld und Spucke

Ohne Peeling löst Säure den Zahnschmelz „NUR“ an, macht ihn weich und reduziert seine Schutzwirkung. Um hier entgegenzuwirken, ist Remineralisierung das Zauberwort. Einen Großteil übernimmt hier der körpereigene Speichel. Kaugummikauen fördert den Speichelfluß und kann so die natürliche Remineralisierung beschleunigen. 

So ein Käse

Ein weiterer Tipp lautet: Käse. Käse unterstützt die Remineralisierung durch seine Inhaltsstoffe und das enthaltene Fett schützt den Zahn vor dem Säureangriff. Konsumiert man Käse, bevor der Zahn mit Säuren konfrontiert wird, kann der Käse eine zusätzliche Schutzbarriere schaffen. Besonders gut geeignet: Camembert oder Brie (Weichkäse mit relativ hohem Fettgehalt).

Nach dem  Essen  – Zähneputzen kurz vergessen

Direkt nach dem Essen sollte man die Zähne nicht putzen, da auch vermeintlich nicht saure Lebensmittel den pH-Wert im Mund in den sauren Bereich bringen, in dem der Zahnschmelz empfindlich und leicht angreifbar ist. Das Bürsten würde zu Abtragungen der weichen, angelösten Oberfläche sorgen und nachhaltige Schäden verursachen. Wer direkt nach dem Essen etwas tun möchte, sollte zu Mundspülungen greifen.

Always Coca-Cola

Ein ganz bekanntes, gerne präsentiertes Beispiel für Säureangriffe auf den Zahnschmelz ist Cola. Oft wird auch hier der Zucker als Hauptproblem betrachtet, mit Zero und light sei man fein raus, denkt man. Doch weit gefehlt. Hauptaggressor sind die enthaltenenden Säuren.Die Süßstoffvarianten sind sogar noch aggressiver, da der süßer als Zucker schmeckende Süßstoff durch die Zugabe zusätzlicher Säure ausgeglichen wird. Die von Coca-Cola auf der Firmenseite empfohlene Vorgehensweise – sinngemäß „neutralisieren, remineralisieren, dann erst putzen“ ist zwar ansich richtig, ist aber nur dann wirkungsvoll, wenn es bei einem Glas, einer Flasche Cola und das bei gelegentlichem Konsum bleibt. 

Die Menge macht das Gift

Diese Regel gilt auch, wenn man seine Zähne vor Säure schützen möchte. Neben der Menge gibt es noch eine zeitliche Komponente mit den Aspekten „wie oft und wie lange wird der Zahnschmelz Säureangriffen ausgesetzt?“ Also lieber ein großes Glas Saft als vier kleine. Lieber ein Obstsalat als fünf Portionen Obst. Man muss also nicht komplett auf Obst und andere säurehaltige Lebensmittel verzichten, sollte aber versuchen, die Zähne nicht über einen längeren Zeitraum und nicht immer wieder Säureangriffen auszusetzen.

Fazit

Eine Saftkur ist eine prima Idee und tut wirklich gut. Sie stellt aber auch eine nicht zu unterschätzende Belastung für unsere Zähne dar. Da ich nun sensibilisiert für dieses Thema war und meine Zähne es leider auch noch sind, habe ich mich gegen den Test der dritten Saftkur von Pressbar entschieden. Einen Tag vor Versand bat ich um Stornierung der Bestellung mit dem Verweis auf die Warnung meines Zahnarztes und tatsächlich bekam ich die Rückmeldung, man habe alles storniert, bedaure, dass ich die Kur nicht machen könne, mein Wohlbefinden als Kundin sei ihnen aber wichtig. Das fand ich richtig klasse und habe mich herzlich für die Kulanz bedankt. 

Mephisto und das Kokettier haben übrigens eins gemeinsam. Ihnen ist das ganze Saftkur-Thema herzlich egal.

Das Kokettier verschläft selbst Zahnschmelzangriffe

… vielleicht liest man sich wieder …

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Replies to “Was Mephisto mit Saftkuren und Zahnschmelz zu tun hat”

  1. Gnitz find ich allein schon lautmalerisch sehr hübsch, auch Zahnmilch kannte ich bisher so wenig, wie den Hinweis, Schmelz nicht versäuern zu lassen. Seit gestern hatte ich schon Hafer- jetzt also auch Zahnmilch auf dem Einkaufszettel. Bin gespannt. Danke für Tipps und Hinweise.

    1. Gnitz ist ein fabelhaftes Wort, das finde ich auch. Und die Zahnmilch kann ich wirklich wärmstens empfehlen. Im Gegenzug freue ich mich über Erfahrungen zum Thema Hafermilch. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen