Warum Frauen gerne zähmen

Warum Frauen gerne zähmen

Manchmal muss man sich schon fragen, was habe ich mir dabei eigentlich gedacht?! Diese Frage kommt mir insbesondere im Zusammenhang mit verflossenen Beziehungen gerne mal in den Sinn. Und dann stellt sich oftmals die Frage:Habe ich überhaupt gedacht? Haben bestimmte Entscheidungen und Handlungen ihren Ursprung vielleicht gar nicht in einem rationalen Prozess, sondern vielleicht in etwas, das ich eher als Instinkt beschreiben würde?

Liebe Frauen unter meinen Lesern, kennt Ihr das Gefühl, dass Ihr einen Mann retten wollt, einen verkorksten Mann reparieren oder einen Mann, der nichts von Euch wissen will, für Euch gewinnen?! Dass jemand, der seine Wäsche rumliegen, den WC-Deckel offenstehen und sein Geschirr in der Spüle verschimmeln lässt, aufgrund Eures Einflusses zum Saubermann werden soll? Warum erziehen Frauen Männer so gerne um? Meistens auch noch, um sich anschließend mit ihnen zu langweilen…

Ganz einfach, um sich etwas zu beweisen, nämlich, dass sie es können:

Dass sie die eine sind, die ihn ändert, ihn auf den rechten Weg bringt, bekehrt, läutert, zähmt.

Twilight & Co.

Schauen wir uns doch einmal die populäre Frauenliteratur an und nein, nicht einmal die, auf deren Titeln Typen Leidenschaft heucheln, während der Betrachter sich fragen mag, wo die Herschaften immerzu ihrer Hemden verlustig werden…

Nehmen wir als Beispiel doch einmal die Twilight Serie und Fifty Shades of Grey. Das sind keine Romane, das sind Phänomene. Und warum? Weil sie sich eines Phänomens bedienen. Beide Romane basieren auf einem Stereotyp, nämlich dem des düsteren (wahlweise zwielichtigen) Mannes. Aber nicht eines wirklich bösen düsteren Mannes, sondern eines innerlich zerrissenen Mannes. Eines Mannes, den nur die Richtige an die Hand nehmen und glücklich machen muss. Und dabei soll das nicht zu ihrem Schlechtesten sein, denn nachdem sie viele, viele schlimme Situationen, Erniedrigungen und Zurückweisungen, gelegentlich auch Nahtoderfahrungen erlebt hat, winken ihr nicht nur ewige Liebe und Dankbarkeit, sondern in der Regel auch noch Reichtum, Schönheit oder gar das ewige Leben (in Reichtum und Schönheit, versteht sich von selbst).

All‘ jenen, die jetzt in Gelächter ausbrechen, möchte ich ein bewunderndes „Chapeau“ zurufen, all jenen, die verschämt zur Seite schauen und überlegen, weiterzulesen, denen sei gesagt: Ihr seid nicht allein.

Schema F

Genau diese Muster sind es, die Frauen dazu bewegen, sich an Männern festzubeißen, die nie so ganz bei ihnen sind, entweder, weil sie es nicht wollen oder weil sie es nicht können. Die uns dazu bewegen, Energie aufzuwenden, uns Energie rauben zu lassen, uns eventuell sogar ausnutzen und schlecht behandeln zu lassen.

Doch warum übt dieses Wandeln eines Saulus zum Paulus einen so unwiderstehlichen Reiz auf uns Frauen aus?

Meine These lautet wie folgt. Dass Männer Jäger und Sammler sind, weiß man ansich, das weiß man aber definitiv, wenn man sich ein Weilchen auf Tinder oder vergleichbaren Plattformen getummelt hat. Doch das wäre ein eigener Beitrag.

In (50 Shades of) grauer Vorzeit

In den Zeiten, in denen Männer ihre Jagd und Sammelleidenschaft nach Herzenslust pflegen konnten, haben wir Frauen in Höhlen gesessen, das Feuer bewacht und die Kinder gehütet.

Die Männer kamen mit Jagdbeute nach Hause und gelegentlich war ein Wolfswelpe dabei, ein putziger Spielgefährte für die Kinder. 

Ohne Worte

Und wessen Aufgabe war es, diesen Wolfswelpen zu domestizieren? Genau, die der Frau… Erkennt Ihr die Parallele? Naja, so oder  ähnlich könnte sich jedenfalls diese Begeisterung fürs Zähmen und Umerziehen entwickelt haben.

Die These kligt an den Haaren herbeigezogen? Nun gut, dann kann vielleicht ein literarischer Exkurs (also echte Literatur diesmal) überzeugen:

Der kleine Prinz und der Fuchs

In „Le Petit Prince“ von Antoine de Saint-Exupéry macht sich der kleine Prinz den Fuchs vertraut, im Französischen apprivoiser – zähmen. In der deutschen Übersetzung von Alexander Varell heißt es:

»(…) Was bedeutet ›zähmen‹?«

»Das wird oft ganz vernachlässigt«, sagte der Fuchs. »Es bedeutet ›sich vertraut miteinander machen‹.«

»Vertraut machen?«

»Natürlich«, sagte der Fuchs. »Du bist für mich nur ein kleiner Junge, ein kleiner Junge wie hunderttausend andere auch. Ich brauche dich nicht. Und du brauchst mich auch nicht. Ich bin für dich ein Fuchs unter Hundertausenden von Füchsen. Aber wenn du mich zähmst, dann werden wir einander brauchen. Du wirst für mich einzigartig sein. Und ich werde für dich einzigartig sein in der ganzen Welt …«

Einzigartig! Wenn das mal nicht romantisch klingt!

Ich schau jetzt mal nach meinem Wolfswelpen, äh Fuchs-  äh… Kokettier…

… vielleicht liest man sich wieder…

Der Widerspenstigen Zähmung

 

 

 

 

 

 

 

One Reply to “Warum Frauen gerne zähmen”

  1. Sehr schöner Artikel. Gefällt mir sehr gut. Allerdings ist die Trennung der Horde in hütende Frauen und jagende Männer selbst eine romantische Vorstellung. In Wirklichkeit ist es diese Vorstellung, die einen Unterschied zementieren soll, den es wohl nie gegeben hat. Denn ernsthaft: Ein Mammut zu jagen, es zur Strecke zu bringen und zu zerlegen, forderte alle Hände der Horde, da durfte die Frau nicht an Heim und Herd hocken, sondern wurde wie auch alle Männer gebraucht. Ei Punkt, welcher der Aussage des Artikel aber weder Kern noch (sagen wir in diesem Falle doch einfach mal: geschlechtsunspezifische) Spitze der analytischen Erkenntnis raubt, geht es doch um Selbsttäuschung, die bekanntermaßen nicht vor Grenzen der Geschlechter halt macht, oder unterscheidet.

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