Verlieren, verloren, Verlust

Verlieren, verloren, Verlust

Wer meinen Blog schon ein Weilchen verfolgt, weiß, dass ich Dinge liebe. Schöne Dinge, besondere Dinge, individuelle Dinge. Ich hänge an meinen Sachen, viele Dinge sammle ich und es macht mir Freude, mich mit ihnen zu beschäftigen.

Sachlich betrachtet

Im Alltag besitzen diese Dinge einen immensen Stellenwert, ich wende viel Zeit für ihre Anschaffung, Pflege und Integration in Outfits, Deko oder sonstige Gestaltung auf und ich habe schon manches Gespräch halbherzig geführt und so manches Gegenüber damit vor den Kopf gestoßen, weil ich mal wieder etwas recherchiert oder einen Onlinekauf abgeschlossen habe. Ich bin bekennende Jägerin und Sammlerin, wenn es um Dinge geht.
 
Gestern habe ich ein Armband verloren. Ein wunderschönes, besonderes Armband, ein Kelly Single Tour von Hermès, dunkelbraun mit silbernem Verschluss.
 
Als ich den Verlust bemerkte, bin ich mit einem Aufschrei hochgefahren wie von der Tarantel gestochen, habe verzweifelt angefangen zu suchen. Ich habe gesucht, mich bedauert und mit den Zähnen geknirscht, ich habe wehgeklagt und gehadert. Dann musste ich einsehen, dass ich es nicht wiederfinde, habe alle Hoffnung in meine Aushänge und Rundmails gesetzt und bin irgendwann heimgefahren.
 
Suchanzeige
Meine Suchanzeige

Heute, einen Tag später, denke ich gelegentlich an das Armband, mit leisem Bedauern, aber ich habe akzeptiert, dass es verloren ist. Ich trage heute ein anderes.

Im Vergleich zu der Energie, die ich in Auswahl, Anschaffung, Pflege und Nutzung investiert habe, lässt mich der Verlust relativ kalt.
 

Menschlich betrachtet

Bei Menschen ist es umgekehrt.
Man betrachtet sie gerne als selbstverständlich, investiert dementsprechend wenig Energie, man macht es sich bequem, richtet sich ein und sitzt Vieles aus, man recherchiert lieber nach neuen Dingen, als ein Gespräch über die bestehende Situation zu führen.
 
Und dann wundert man sich, wenn Menschen still und leise aus dem Leben verschwinden.
 
…so sagt Der Moral-o-mat „selbst schuld!“

 

Meist so, dass es keinen Aufschrei, kein Hochfahren gibt, sondern einen traurigen Prozess, des sich voneinander Entfernens, ein Beharren auf Positionen, statt sich in den anderen hineinzuversetzen und ihm die Hand zu reichen, einen Mangel an Achtsamkeit, der dafür sorgt, dass sich das Gegenüber allein gelassen fühlt und sich zurückzieht. Geht.
 
Und anders als beim Armband lässt einen der Verlust nicht kalt, man merkt erst richtig, wie wichtig die Person für einen war, wenn sie weg ist und da ist kein Ersatz, denn einen Menschen kann man nicht einfach ersetzen oder nachkaufen.
 
Manche noch viel weniger als andere.
 
Was bleibt ist der Schmerz des Verlusts, gepaart mit dem miesen Gefühl, menschlich versagt zu haben, Sehnsucht und der Wunsch, die Zeit zurückdrehen zu können.
 
Und ein Funken Hoffnung.
 
 …und natürlich das Kokettier.
Tröstlich, so ein Kokettier.
 
…vielleicht liest man sich wieder…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen