Ostern – von Goldhasen und anderen Erinnerungen

Ostern – von Goldhasen und anderen Erinnerungen

Zunächst einmal wünsche ich allen Lesern und Freunden des Kokettiers Frohe Ostern!

Ostern am 1. April, da dürfte es an so manchem Familienostertisch den einen oder anderen mehr oder weniger lustigen Aprilscherz gegeben haben und auch das Wetter gibt alles, um uns zum Besten zu halten: „Hach, die Sonne kommt raus, ach herrje, es fängt an zu regnen.“, „Hast Du einen Regenschirm dabei? Ich habe die Sonnenbrille vergessen.“. 

Frühlingsboten, die Farbe in den wintergeplagten Wald bringen

Ein ähnliches Wechselbad der Gefühle habe auch ich heute durchlaufen, ist es doch eines der wenigen Osterfeste, die ich nicht im Kreise meiner Familie verbringe. Und einmal mehr stelle ich fest, wie viel mir Traditionen und Rituale bedeuten. Die großen Kirchenfeste sind eben klassische Familienfeste, die von Erfahrungen und Erlebnissen, Personen und ja, man muss es sagen, Produkten geprägt sind. So schwelge ich also schon den ganzen Tag in Erinnerungen an all‘ die vielen kleinen Dinge, die ich mit Ostern verbinde.

Es geht im Folgenden also weder um christliche Traditionen, noch um deren Bedeutungsverlust. Es wird nicht gesellschaftskritisch und auch nicht historisch. Ich werde nicht über die Bedeutung österlicher Fruchtbarkeitssymbole und deren heidnische Herkunft philosophieren, sondern einfach das festhalten, was in den letzten dreieinhalb Jahrzehnten Ostern für mich ausgemacht hat. Weil ich es schön finde, diese Erinnerungen zu haben, sie teilen zu können und dafür danke zu sagen.

Das Kokettier schert sich wenig um Traditionen und Rituale – es weiß gar nicht, was für einen herzigen Osterhasen es abgibt

Ein Ostern ohne Lindt Goldhasen? Unvorstellbar!

Schon mein Vater hat, so eine Familienanekdote, als kleiner Junge allen im Garten versteckten Hasen die Ohren abgebissen. Und so haben wir das fortgeführt, natürlich nur beim eigenen Exemplar. Auch der massive Boden war beliebt. Die krümeligen Reste landeten viele Jahre im postösterlichen Schokoporridge. Porridge an sich bereitete mein Vater gelegentlich sonntags zu, schon lange vor dem aktuellen Hype um den angelsächsischen Frühstücksbrei, dann allerdings ohne Schokolade, sondern nur mit Milch, zarten Kölln-Flocken und einer Menge Zucker und Zimt. 

Originale alte Schokoladenhasenformen sorgten in einem Jahr für vorösterlichen Stress. Meine Eltern hatten sich vorgenommen, Schokoladenhasen selbst zu fertigen. Wie heißt es in der Lindt-Werbung so schön? Das Geheimnis liegt im Conchieren der Schokolade. Und darin, die Figuren blasenfrei hinzukriegen. Nun ja. Im Jahr drauf gab es wieder Lindt Goldhasen und die Formen fungieren seitdem als Küchendeko.

Selbst, nachdem ich kürzlich erfahren habe, dass im fränkischen Cadolzburg von der Confiserie Riegelein ein ebenso traditionsreicher Goldhase gefertigt wird, der nach einem lange währenden Rechtsstreit trotz intensiver, wenig sympathischer Bemühungen von Lindt goldig bleiben darf, siegt die Kindheitserinnerung über den Lokalpatriotismus.

Ostern Schokoladenhase
Der Lindt Goldhase gehört einfach zu Ostern

Ähnlich ist es mit Ostereiern. Diese waren ebenfalls meist von Lindt, meine Großmutter brachte neben unseren Osternestern mit Lindor, Nougat, Cresta, Mousse au Chocolat und Blätterkrokant stets eine Packung mit den Lindt Alkoholspezialitäten für die Erwachsenen mit. Ich bevorzuge bis heute die alkoholfreie Variante. Und bei uns gab es weder Milka, noch Ferrero zu Ostern und so würde auch ich immer zu den Klassikern greifen. Glückwunsch an Lindt & Sprüngli, den Schweizer Schokoladengiganten, dem es durch kluges Marketing gelungen ist, sich für immer ins Mindset von Generationen zu brennen.

Ostergebäck

Mindestens ein Biskuit-Osterlamm in klassischer Form musste jede Ostern daran glauben. Eine Tradition, die insbesondere meine Großmutter hochhielt, für die die Lämmer zu jedem Osterkaffee oder -frühstück gehörten. Auch Hefenester oder Hefehasen waren immer wieder Bestandteil, genau wie Quarkhasen aus Quark-Öl-Teig. Eine Tradition, die ich erst in Franken kennen und schätzen lernte, ist das Osterbrot. Ein reichhaltiger Hefeteig mit Mandeln und Rosinen, gelegentlich auch rosinenlos erhältlich, den es interessanterweise die komplette Fastenzeit hindurch gibt.

Ostereier

Viele Jahre gehörten selbst gefärbte hartgekochte Ostereier zum Ostertisch, hierfür wurden unterschiedlichen Ostereierfarben mit unterschiedlich gutem Ergebnis ausprobiert. Bei meinen Großeltern gab es  traditionell Eier, die in Zwiebelsud gefärbt und mit zarten Blüten- und Blättermotiven verziert waren. Hierzu wurden echte Blätter und Blüten vor dem Färben aufgebracht und in Nylonstrümpfen fixiert. Erst dann wurden die Eier getunkt.

Am Osterstrauch aus Korkenzieherweide oder Hyazinthenzweigen – Weidenkätzchen und Haselnuss verbieten sich bei Eltern mit Heuschnupfen von selbst – hingen ausgeblasene Ostereier. Von jedem Ei wusste man, wer es wann bemalt hatte, dazwischen hing das eine oder andere Geschenk und von einem Ostereiermarkt in der Stadthalle brachten wir ein winziges Ei mit einem Kartoffelkäfer darauf mit. Man kannte also quasi jedes Ei persönlich und wann immer eines zu Bruch ging, was sich aufgrund der Zartheit der Objekte kaum vermeiden ließ, war es ein schmerzlicher Verlust.

Der Rahmen

Untrennbar mit dem Ostermorgen verbunden, sind die Klänge vom „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“, die einen empfingen, wenn man die Treppe hinunterkam. Festlich, fröhlich, stimmungsvoll. Dazu ein üppiger Tulpenstrauß und der festlich gedeckte Tisch – ein fürwahr österlicher Anblick!

Der Ostertisch

An Ostern wurde natürlich Sonntagsgeschirr gedeckt, bei dem es sich um ein Stück für Stück auf Flohmärkten komplettiertes, handbemaltes Service in klassischem Blau-Weiß (auch Indisch blau, Kornblume, Strohblume)  handelte, bei dem jedes Teil seine eigene Geschichte hatte. Passenderweise war es in einem alten, geschnitzten, Eichenbuffet untergebracht und zwar just hinter der Tür, deren Schlüssel gegen den Uhrzeigersinn öffnete, ein kleiner Trick, den kennen musste, wer festlich decken wollte. Zum österlichen Frühstück gehörten neben den bunten hartgekochten Eiern auch weichgekochte 5 Minuten-Eier. Was lange Zeit fehlte, waren Eierbecher, so gab es anfangs für alle schlichte weiße Eierbecher, die nach und nach durch die Originale ersetzt werden konnten. Wehe dem, der dieses Geschirr nicht achtsam und mit Liebe behandelte! 

Die Ostereiersuche

Nicht nur in diesem Jahr überzeugt das Osterwetter in unseren Breiten nicht gerade mit Zuverlässigkeit. Aus diesem Grund versteckte der Osterhase nach einigen durweichten Nestern seine Überraschungen nur noch im Wohn-Ess-Bereich, wo meine Schwester und ich, unterstützt von der warm-kalt-Navigation meiner Eltern auf die Suche gehen durften. Meist befanden sich in den Nestern neben Hasen und Eiern auch ein Buch oder etwas Anderes, womit man uns eine Freude machen konnte. In der Regel vergingen die Osternachmittage dann mit Lesen, Osterprogramm im TV, dem obligatorischen Osterspaziergang („Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“) und soviel Schokolade, dass eine Fastenzeit nach Ostern vermutlich durchaus Anhänger gefunden hätte.

Das Osteressen

Wie es österliche Tradition ist, gab es an Ostern auch bei uns meist Lamm. Viele Jahre war es mit Schafskäse gefüllte Lammkeule, eine entbeinte Keule, die mit Kräutern, Gewürzen und Schafskäse gefüllt und mit Kochgarn zugenäht, scharf angebraten und dann lange geschmort wird. Sie wurde von einem Lammragout abgelöst. Beide Gerichte werden mit grünen Bohnen und Bandnudeln serviert und bieten geschmacklich ein nahezu ideales Gegengewicht zu Schokolade und anderen Süßigkeiten.

Und da nach Osterbrunch, Schokoladenorgie und einem spätem Lammmittagessen meist Faulenzen, Lesen und Entspannen folgten, bin ich am Ende meiner Osterreminiszenz angelangt und es bleibt mir nur noch festzustellen, dass es ein schönes Gefühl ist, all‘ dies mit auf den Weg bekommen zu haben und eventuell lässt sich zukünftig die eine oder andere Tradition reanimieren oder addieren. Vielleicht verbindet auch Ihr Erinnerungen, Traditionen oder Rezepte mit Ostern, ich bin gespannt!

Das Kokettier und ich in Osterlaune

… vielleicht liest man sich wieder …

 

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