Das Kokettier macht Theater

Das Kokettier macht Theater

Ich bin dieses Wochenende einer Einladung nach Meiningen in Thüringen gefolgt, die neben Thüringer Klößen, auch als „Hütes“ bekannt, einen Besuch im Meiniger Staatstheater und zwar in der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach, vorsah.  Nach einem herrlich sonnigen Herbsttag im pittoresken Meiningen, inklusive eines ausgiebigen Waldspaziergangs mit Ausblick über die ganze Stadt, gekrönt von Hütes mit Hirschbraten, hieß es auf zum Theater. 

Herbstliches Meiningen

Wissenswertes zum Meininger Staatstheater

Das Meininger Staatstheater blickt seit seine Eröffnung im Dezember1831 auf eine lange Tradition zurück und ist mit 726 Plätzen kein kleines Haus.  Gegenüber anderen Häusern, auch denen größerer Städte wie Eisenach, hat es sich stets behauptet und sich eine Spartenvielfalt bewahrt, um die es von anderen Häusern glühend beneidet wird. Im Rahmen einer umfangreichen Sanierung zwischen 2008 und 2010 wurde der Originalzustand rekonstruiert, der einem Brand im Jahre 1908 zum Opfer gefallen war, nach dem 1909 neu gebaut wurde. Im Rahmen der Rekonstruktion wurde auch Georg II., dem wohl größten Förderer, der mit der Regentschaft über das Herzogtum 1866 auch die Leitung des Theaters übernahm, ein Denkmal gesetzt.

Logo Meininger Staatstheater

Doch mit Tradition allein hält man ein Theater nicht lebendig. Deutlich erkennbar ist daher die Handschrift des seit zwei Jahren aktiven neuen Marketingteams,  das für ein modernes Erscheinungsbild, frischen Wind und damit auch für neues Publikum sorgt. Nach dem Einnehmen der Plätze und dem ausgiebigen Bewundern des opulenten Ambientes fiel der Blick zunächst auf eine Art Tafelfläche, auf die mit Kreide Textfragmente geschrieben worden waren. Der sogenannte „Eiserne Vorhang“ ist eine Konsequenz aus dem Brand des Wiener Ringtheaters 1881, bei dem nahezu 1000 Mensche ihr Leben ließen. Er dient dazu, eine schnelle Entkopplung von Bühne und Zuschauerraum zu gewährleisten. Üblicherweise nimmt der Zuschauer ihn nicht wahr, ihn zu integrieren ist also ein nettes Detail. Auch die nach außen zu öffnenden Türen sind übrigens eine Lehre, die man aus der schrecklichen Katastrophe zog.

Hoffmanns Erzählungen – nach E.T.A. Hoffmann

Mit Katastrophen hatte auch der arme Hoffmann auf der Bühne zu kämpfen, handelt die Oper doch vom Verlust seiner drei großen Lieben; der Puppe  Olympia (kaputt), der Sängerin Antonia (tot) und der Kurtisane Guiletta (hat ihn benutzt und betrogen). Begleitet wird er vom Chor, der vollumfänglich in die Handlung integriert ist und mit großer Spielfreude und grandiosen Kostümen begeistert.

Hoffmanns Erzählungen, Meininger Staatstheater

Musik mit Ohrwurmpotenzial, eine fantastische Puppe Olympia, die mit viel Humor und einer großen Detailliebe agiert und mit beeindruckende Koloraturen glänzt, Hoffmann als wahrhaft bemitleidenswerter armer Poet, ein grandioser Schlusschor mit Gänsehautgarantie „Macht die Liebe auch groß, macht noch größer der Schmerz“und zahlreiche weitere Highlights machen viel Spaß und lassen die fast dreistündige Aufführung wie im Fluge vergehen.

Ich kam also beflügelt und voller Eindrücke nach Hause und wurde vom Kokettier über die Maßen herzlich begrüßt. Wir drehten noch eine kleine Abendrunde, Ich machte mich bettfertig und möchte gerade in mein Nachtgewand schlüpfen, als ich feststellen muss, dass einer der beiden Spaghettiträger Geschichte ist. Hat doch diese beleidigte Primadonna ihren Frust übers Alleinsein tatsächlich an meinem Pyjama ausgelassen. Dazu muss man wissen, dass dieses Wesen noch NIE, nichteinmal in ihren Flegeljahren, irgendetwas kaputt gemacht hat.

Fazit: Hier macht nur einer Theater, und das ist das Kokettier!

Ach ja

Wer die Gelegenheit hat, dem sei ein Besuch im Meininger Staatstheater ans Herz gelegt. Inspiration bietet der Spielplan allemal.

…vielleicht liest man sich wieder…

 

 

 

 

 

 

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