Leder – Handwerkskunst und Liebe zum Material

Leder – Handwerkskunst und Liebe zum Material

Taschen, Gürtel, Schuhe, Handschuhe, all‘ diese Accessoires werden traditionell aus Leder gefertigt, weil es robust ist, weil es gut zu verarbeiten  ist und weil  es, solange der Mensch jagt oder Tiere domestiziert, verfügbar ist. Als Nebenprodukt des Fleischkonsums, aber auch als Selbstzweck, wegen seiner besonderen Eigenschaften, Optik oder Haptik.

Neben Rindsleder, das wohl am verbreitetsten ist, haben sich für unterschiedliche Produkte unterschiedliche Leder als besonders geeignet oder beliebt erwiesen, insbesondere die Beliebtheit ist dabei auch einem Wandel unterworfen, Trends, aber auch schlicht und ergreifend Verfügbarkeit spielen hier eine Rolle.

Ein Beispiel

Ein Beispiel hierfür sind Taschen aus Krokodilleder. Auf Flohmärkten findet man etliche davon, auch aus ungeschliffenem Krokodilleder, das optisch und haptisch sehr nah am Tier ist, was es mit der Zeit immer unpopulärer gemacht hat.  Heute ist Krokodilleder generell recht selten, in der Regel findet man echtes Krokodilleder, genau wie andere Exotenleder, nur noch im Luxussegment. Die Prägung auf Rind-, Kalbs- oder auch Kunstleder ist aber sehr beliebt und zieht sich durch alle Preisklassen. 

Gewisse Leder machen, gerade aufgrund ihrer Seltenheit, aus einem einfachen Produkt ein Luxusprodukt. Desweiteren spielt auch die Lederqualität eine entscheidende Rolle für den Preis

Neben der Lederart und der Lederqualität ist die Qualität des Handwerks entscheidend. Zwischen maschineller und handwerklicher Fertigung liegen oft Welten, leider nicht nur, was die Optik angeht, sondern auch beim Preis.

Exkurs Hermès

Ein fabelhaftes Beispiel für ein ikonisches Lederprodukt, bei dem Lederqualität und Qualität des Handwerks bereits Luxus sind und die Lederart nur noch das i-Tüpfelchen, ist die Hermès Birkin Bag, kurz auch Birkin, die ihren Namen der britischen Schauspielerin und Sängerin, Jane Birkin, zu verdanken hat.

Mythos Birkin Bag

Diese tat im Rahmen einer zufälligen Flugzeugbekanntschaft mit Jean-Louis Dumas all‘ ihre Anforderungen an die für ihre Bedürfnisse perfekte Tasche kund. Dumas, der kurz zuvor die Verantwortung für die Geschicke von Hermès übernommen hatte, ließ daraus den wohl größten Wurf in der Geschichte der Damenhandtasche kreieren, der der Ideengeberin zu Ehren den Namen Birkin erhielt.

Ein Name, der heute für  eine Tasche steht, für deren Preis man auch einen neuen Kleinwagen erhielte und, das macht sie auch für Banker und Anlageberater interessant, die im Gegensatz zum Kleinwagen im Wert nicht sinkt, sondern steigt und das teilweise nicht unerheblich.

Bringing Home the Birkin von Michael Tonello

In dem Buch „Bringing home the Birkin“ schreibt der Hermès Wiederverkäufer Michael Tonello, der damit übrigens ein Vermögen machte, von den Tricks und Kniffen, die er erlernen musste um in den Besitz dieser mit endlosen Wartelisten versehenen, sagenumwobenen Taschen zu gelangen. Lesenswert, unterhaltsam und lehrreich. Einen Mythos gilt es nämlich zu bewahren und zur Not auch zu verteidigen.

Warum sonst sollten Artikel wie die folgenden erscheinen:

  • https://www.welt.de/wirtschaft/article157223286/Auf-diese-Handtasche-muessen-Sie-zwei-Jahre-warten.html
  • https://www.elle.de/birkin-bag-hermes
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Birkin_Bag

Hermès selbst schreibt auf der offiziellen Seite über sein Meisterstück sehr profan: „Eine geräumige, robuste und durch ihren flachen Boden stabile Tasche. Ein elegantes Modell, geöffnet wie geschlossen. Sie weist die unverkennbaren Hermès-Markenzeichen auf: polierte Ränder, Sattlernaht.“

Et voila. Charakteristisch ist die Verarbeitung, das perfekte Handwerk.

Ich habe generell eine Schwäche für Lederaccessoires, Troddeln, Fransen, Laschen, Schlaufen, Flechtwerk und makellose Sattlernähte. Doch gerade diese Perfektion ist nicht selbstverständlich. Und diese Verarbeitung ist es, die bei Leder noch soviel entscheidender, da auffälliger ist, als bei Stoffen.

Da ich (bedauerlicherweise) nicht mit einer Birkin als Anschauungsobjekt aufwarten kann, möchte ich den Reiz qualitativ hochwertiger Lederprodukte an einem ganz anderen Beispiel illustrieren. Und zwar an den Hundehalsbändern und Leinen des in Niedersachsen ansässigen Labels Anna Leine. Weit hergeholt?

Collier de chien 

Nun ja, ein ebenfalls sehr bekanntes Design von Hermès, das ikonische collier de chien, leitet sich von einem Hundehalsband ab, das man natürlich auch bei dem französischen Luxuslabel erstehen kann. Hunde und Pferde sind stets wiederkehrende Motive im Hermès Universum und das Equipment für diese geschätzten Begleiter kann aus Hermès Sicht nicht hochwertig genug sein. Und Emile Hermès legte den Grundstein für die weltweit größte Sammlung von Hundehalsbändern.

Und ja, so sehr ich die Carrés von  Hermès liebe, sprengen die Lederwaren der Marke doch  mein Budget. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass ich Halsband und Leine des Kokettiers gerne auf meine Outfits abstimme. Verrückt und überflüssig. Absolut! Das Kokettier könnte ich auch an einem ausgefransten Schuhbändel durch die Gegend führen. Wäre ihr wurscht. Aber mir nicht. Et voilà.

Anna Leine – eine Halsbandmanufaktur mit Charme

Die Inhaberin von Anna Leine, Anna Jagusch, ist Mutter zweier entzückender Zwillingsmädchen. Zum Haushalt gehören desweiteren ein Ehemann, die Dalmatinerhündin Tia und die Silken Windsprites Cupid und Freude. Und eine Werkstatt, in der Anna Jagusch mit Leidenschaft, Können, höchstem Anspruch und viel Sinn für Material und Verarbeitung kleine Kunstwerke zaubert. Anders als die Hermès Taschen, werden die Produkte von Anna Leine nicht von Hand genäht, sondern mit der Maschine. Wieso? „Die Zeit bezahlt mir keiner.“ stellt die realistische Inhaberin fest. Und tatsächlich mag es nicht die Handarbeit sein, die Anna Leine von anderen Labels unterscheidet, sondern die Qualität der Verarbeitung.

Bewährt

Meine Begeisterung begann mit einem Halsband, das perfekt verarbeitet, federleicht und maßgenau passend bei uns ankam und sich seitdem weder durchs Tragen, noch durch Witterung maßgeblich verändert hat. Und das  bei einem angerauhten Leder in einer Kombi aus Elephant (mittelgrau) und Goldbeige (sandiger Cremeton).

Dem Kokettier ist es egal, was es trägt, aber ich habe Freude an den hochwertig gearbeiteten Stücken.

Es folgten eine passende Leine, eine weiteres Set in Toffee und Goldbeige sowie ein Extrahalsband in einer Kombination aus Toffee und Rosa, verziert mit einer Rosenquarzgemme. 

Wiedererkennbar

Das Besondere an den Stücken ist die Liebe zum Detail: schnurgerade Nähte, hochwertige Materialien, liebevolle Details, extravagante, aber stets stilsichere Kombis und ein eigener, sofort wiedererkennbarer Stil.

Hauptmerkmal sind die Gemmen mit unterschiedlichsten Motiven oder einfach nur Schmucksteinen, die auf Wunsch – wie bei mir-aber auch weggelassen werden können. Hätte ich gewusst, wie gut sich das Rosenquarzelement auf dem Halsband macht, hätte ich mir das eventuell noch eimal überlegt.

Set in elephant und goldbeige mit passenden Troddeln.
Set in toffee und goldbeige mit passenden Troddeln
Halsband in toffee und rosa mit Rosenquarzgemme und passender Brosche für den Hundemantel oder für mich 🙂

 

Sorgfältig

In den regelmäßig stattfindenden Sales, finden alle aus Sicht der Inhaberin nicht ganz perfekten Stücke zu günstigeren Preisen ein neues Zuhause. Nicht ganz perfekt reicht dabei von angelaufenen Metallelementen, über Macken im Leder, bis hin zu einer schiefen Naht. Alles aber in einem so geringfügigen Bereich, dass man es andernorts regulär so bekommen hätte.

Detailverliebt

Es ist die Liebe zum Material, das Streben nach Perfektion und der Anspruch an die Qualität, die Anna Leine von vielen anderen Labels im Markt der Hundeaccessoires unterscheidet. Und es sind genau diese Werte, die sie mit dem orangefarbenen Stern am Lederhorizont teilt. Hermès steht für Handwerkskunst und den Manufakturgedanken und genau dieser Gedanke ist es, der die Stücke berühmt gemacht hat. Qualität um jeden Preis. Auf der Hersteller- wie auf der Verbraucherseite. Das ist Luxus in seiner besten Form.

Für den kleinen und deutlich erschwinglicheren Luxus, empfehle ich daher Anna Jaguschs Manufaktur für individuell konfigurierbare Halsbänder und Leinen. Wer nicht auf Facebook ist, kann mich anmailen, kontakt@das-kokettier.de, ich stelle den Kontakt gerne her. Ach ja: vielleicht interessant für Nichthundehalter. Auch Gürtel, Taschengriffe oder Lederhaarbänder gehören zum Portfolio der kreativen Unternehmerin.

Und für den Eigenbedarf darf es auch einmal eine Tasche sein, aber nicht irgendeine… und die war dann auch, wie es sich für eine Birkin gehört, von Hand genäht.

Birkin Hermès handmade
Anna Leine meets HERMÈS – Bild: Anna Jagusch

… vielleicht liest man sich wieder …

 

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