„Hermès, mon amour“ oder auch „Carré olé!“

„Hermès, mon amour“ oder auch „Carré olé!“

Meine Großmutter mütterlicherseits war eine aus dem Rheinland stammende, geborene Hermes. Lange Zeit hoffte ich, nein, war ich überzeugt davon, sie müsse mit Thierry Hermès   verwandt sein, Gründer des orangenen Imperiums unanständig wertiger Luxusgüter und 1801 in Krefeld geboren.

Sicher ist – der Wunsch war Vater des Gedankens, denn seit meiner ersten Begegnung mit und Berührung von einem echten Carré bin ich diesen farbenprächtigen, detailverliebten Seidentüchern mit all‘ ihren begnadeten Urhebern in ihrer ganzen Motivvielfalt und griffig appretierten Herrlichkeit verfallen.

Meine Mutter war damals zu in einer kleinen alteingesessenen Parfümerie zu einer Präsentation eingeladen, bei der  Hermés Mitarbeiterinnen die aktuellen Parfüms vorstellten  und im Rahmen eines Workshops die unterschiedlichen Methoden, ein Hermès Carré zu binden, präsentierten.

Von jenem Tag an wurde jedes Tuch, ob geeignet oder ungeeignet anhand eines der kleinen orangenen Büchlein, die regelmäßig erscheinen und die neue Kollektion und die neuesten Knot- und Bindetechniken zeigen, in Form gebracht.

Seitdem markieren Hermès Carrés Entscheidungen und Veränderungen in meinem Leben. Sehr hilfreich übrigens, um sein Leben möglichst veränderungs- und wendepunktarm (arm ist das entscheidende Stichwort) zu gestalten…

Denkwürdige Geschichten erlebt man auch, wenn man einen Hermès Laden betritt.

Nie werde ich vergessen wie ich abends bei strömendem Regen die Avenue Louise in Brüssel entlanglief und der hell erleuchtete  Shop mit all‘ seinen Kostbarkeiten eine derartige Anziehung entfaltete, dass ich ungeachtet meines ramponierten Äußeren, hineinging. Eine junge Verkäuferin nahm sich meiner an, was mein Glück war, denn mit großem Enthusiasmus verbrachten wir gewiss eine ganze Stunde mit dem Bewundern immer neuer Tücher, die sie aus geheimen Schubladen und Lagern hervorzauberte. Soviel Zeit hat mir nie wieder eine Verkäuferin in einem Hermès Laden geschenkt und das, obwohl ich von vornherein gesagt hatte, dass ich nichts kaufen wollte. Aber bis heute erinnere ich mich an die Motive der Tücher.

Ganz anders die Erfahrung, als ich bei meinem ersten Stadtbummel in Nürnberg nach Jobwechsel und Umzug gleich den Hermès Shop entdeckte und mit einer Entscheidung und einer Veränderung im Rücken, entschlossen hineinging.

Doch dieser Wendepunkt blieb unmarkiert, da der männliche Verkäufer ganz offensichtlich nichts mit meinem Wunsch anfangen konnte, „es sollten Tiere auf dem Tuch sein, am liebsten Pferde.“ Ich bekam Tanzgesellschaften, abstrakte Muster, Obstkörbe und Reitstiefel präsentiert. Exotische Inseln, Indianer, alles war dabei – bloß weit und breit kein Tier, geschweige denn ein Pferd. Nach einigen Tüchern wurden wir beide missmutig und ich ging… ein bisschen entzauberte diese Erfahrung das orangene Paradies.

Letzten Monat kam ein neuer Hermès Duft auf den Markt– „Twilly“. Benannt nach den kleinen Seidenschals, die seit einem guten Jahrzehnt das Sortiment ergänzen. Jeder Flakon trägt ein winziges Schleifchen, das geöffnet als Armband getragen werden kann. Es flüstert zwar nur sehr leise, aber es ist sich seiner Herkunft wohl bewusst…

Ach ja

… auch, wenn ich es erst nicht glauben wollte – auch aus zweiter Hand – zu finden beispielsweise bei Vestiaire Collective – entfalten die Carrés ihre Magie…  dort habe ich endlich meine Pferde bekommen.

…kennt jemand zufällig eine Reinigung im Nürnberger Raum, der ich mit gutem Gewissen meine Schätze anvertrauen kann?

…das Kokettier meint, es wolle ein eigens Motiv – hat jemand gute Kontakte zu Hermès?

…vielleicht liest man sich wieder…

Foto: Hermès Carré, Les Chevaux Qataris – Hubert de Watrigant, 2008

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