Alltäglicher Horror zu Halloween

Alltäglicher Horror zu Halloween

Halloween ist ein Phänomen, das schleichend begonnen hat.

Erst waren es nur als Monster, Vampire und Gespenster verkleidete Kinder, die an der Tür klingelten und „Süßes oder Saures“ brüllten … im Hintergrund frierende, leidlich oder gar nicht verkleidete Erwachsene, die entschuldigend bis peinlich berührt lächeln. Schuld daran war die Fachgruppe Karneval im Verband der Spielwarenindustrie, die 1994 eine großangelegte Werbekampagne startete, nachdem  durch den 1991 aufgrund des Golfkriegs abgesagten Karnelvals immense Umsatzeinbußen entstanden waren.

Seidem dümpelte Halloween halbherzig vor sich hin. In kinderreichen Wohngegenden tat man gut daran, sich mit Süßigkeiten zu bevorraten, wollte man nicht am nächsten Tag Seifenlauge von der Windschutzscheibe waschen oder seine Vorgartenbepflanzung aus Toilettenpapier auswickeln.

In den letzten Jahren hat aber ein regelrechter Hype um sich gegriffen.

Ich behaupte ja, dass er maßgeblich durch Youtube Videos mit Schminktutorials für „gruselige Halloween-Makeups“ ausgelöst wurde. Ich könnte stundenlang diese Videos anschauen und stelle mir vor, wie ich als Catrina, Black Swan oder, meine neueste Obsession, als Horrorversion von Holly Golightly auf rauschenden Parties Furore mache.

Nun ist es aber so, dass ich dafür bekannt bin, recht schreckhaft zu sein. Ich kann nicht einmal eine Sequenz eines Horrorfilms anschauen, ohne mich danach tagelang nur sehr beklommen in die Tiefgarage zu wagen. Zu den Hochzeiten der Horrorclowns hatte ich über Telearbeit nachgedacht und in meiner Schulzeit war ich erst nach viel gutem Zureden bereit, die von mir miterdachte Geisterbahn, in der mir alle Akteure persönlich bekannt waren, zu betreten. Eine echte Halloween Party wäre für mich demnach ein wahrer Horrortrip, vermutlich hätte ich am Ende panische Angst vor meinem eigenen Spiegelbild. Soweit, so gut. Also keine Halloween Party für mich und damit auch nicht fürs Kokettier, für das ich an eine supergruselige Adaption des amazon Prime Werbespots mit einem um Liebe bettelnden Golden Retriever gedacht hatte.

Was also tun, wenn alle Halloween feiern?

Am besten, sich den eigenen Dämonen stellen.

Es ist ein „Sich Drangeben“ sagte meine Großmutter immer. Dieser Satz ist für mich zu einem regelrechten Mantra geworden, wenn es darum geht, Unangenehmes oder Lästiges zu bewältigen.

Gerade an einem langen Wochenende, an dem man mit Ansage entspannen und es sich gutgehen lassen möchte, ist ein solcher verbaler Tritt in den eigenen Hintern eine durchaus sinnvolle Maßnahme. Denn wann sonst hat man Zeit für all‘ diese Dinge, die liegengeblieben sind, ruhen oder lauern.

Da sind einerseits die üblichen Haushaltsarbeiten, auf die sich im Übrigen auch meine Großmutter in den meisten Fällen bezog.

Auf der anderen Seite sind es die Dinge, die man schon immer einmal erledigen wollte.

Alte Zeitschriften entsorgen, zum Beispiel. – check

Und dann sind da noch diese „ich müsste mal“ Aufgaben. Diese „ich könnte mal“ Ideen.

Ich müsste endlich mal die Texte schreiben, die ich für diesen Hochzeitsguide zugesagt habe. – check

Ich könnte doch einige der Artikel, die ich beim Flohmarkt nicht verkauft habe, bei ebay einstellen. – check

Die wahre Herausforderung wartet aber morgen auf mich … eine Engadiner Nußtorte, die ich als Mitbringsel zum Kaffeetrinken zugesagt habe … die letzte habe ich während meines Studiums, genauer, während meiner Diplomarbeit gebacken, denn schon damals war die einzige Ausrede fürs „Sich Drangeben“, bereits etwas anderes zu tun.

Ich könnte morgen mal darüber berichten, es wäre nur ein Sich Drangeben …

… vielleicht liest man sich wieder…

 

 

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