Gibt es Sinn ohne Nutzen?

Gibt es Sinn ohne Nutzen?

Kürzlich habe ich mit einem Freund telefoniert, den ich schon länger nicht gesprochen hatte.

Wir plauderten ein wenig, unter anderem sprachen wir über den Blog. Ich erklärte, dass ich besonders die Tatsache schätze, dass ich mich mit Dingen beschäftigen kann, die mich bewegen, interessieren oder begeistern und dass ich während des Schreibens sogar entspannen könne. Klar, meinte er, handele es sich hier doch um die viel zu sehr in Vergessenheit geratene Muße, die einem erlaube, die Gedanken schweifen zu lassen, schöpferisch tätig zu sein, ohne Zielsetzung und ohne Fremdinteressen berücksichtigen zu müssen. „Ohne Nutzen, voller Sinn“ war das Fazit.

Besinnliches in der Vorweihnachtszeit

Da regte sich bei mir sofort der Widerspruch: Wie bitte? Nutzlos soll „Das Kokettier“ sein? Und dennoch sinnvoll?

Was für ein Quatsch. Doch im Prinzip ist es völlig richtig, habe ich dieses Vorhaben doch gestartet, um mir Freiraum für meine Interessen zu schaffen, mir zu erlauben, auch einmal länger an einem Thema zu verharren. Einem Thema meiner Wahl, das vermutlich im Geschäftsalltag deplatziert und im persönlichen Gespräch auch nicht immer gewünscht wäre, zumindest nicht in dem von mir frei wählbaren Umfang. Mal ganz abgesehen davon, dass Sinnsuche ein existentielles Thema ist, während eine Nutzensuche öffentlich allenfalls in der Höhle der Löwen stattfindet, wo willige Investoren gelegentlich verzweifelt einen Produktnutzen suchen – vom Sinn einmal ganz zu schweigen.

Hut: Nicole Jacob, die Hüterei

Ein spannender Begriff, dieser Sinn:

  • im Sinne von den Sinnesorganen, Nase – Geruchssinn, Augen – Sehsinn, Ohren –  Hörsinn, Haut – Tastsinn, Zunge – Geschmackssinn.
  • Sinnlichkeit hängt mit der bewussten Wahrnehmung über die Sinnesorgane zusammen.
  • Sinn für etwas haben, heißt über eine besonders gute Wahrnehmung für etwas, guten Geschmack in Bezug auf etwas oder eine Art passives Interesse an etwas zu verfügen.
  • im Sinne von Wortsinn oder Sinn eines Textes entspricht der Bedeutung eines Wortes.
  • Etwas stiftet, ergibt oder macht neudeutsch auch mal Sinn, wenn das nicht der Fall ist, ergibt oder macht es keinen Sinn – keinen Sinn zu stiften wäre vergebene Liebesmüh.
  • Sinnhaft und sinnvoll stehen sinnentleert und sinnlos, manchmal auch unsinnig gegenüber.
  • Unsinn ist nicht zwangsläufig das Gegenteil von Sinn.
  • Mit Sinn und Verstand sollen sinnlose Ausgaben vermieden und sinnvolle Maßnahmen abgesegnet werden.
  • Sinn und Sinnlichkeit ist ein Buchtitel von Jane Austen (im Original „Sense and Sensibility“).
  • Sinnsuche ist die Suche nach einem übergeordneten Sinn im Sinne von Ziel oder Zweck.

Meine Analyse der Aussage „Ohne Nutzen, voller Sinn“ ist hiermit abgeschlossen, ist es mir doch ganz offensichtlich gelungen, einen völlig nutzlosen Text voller „Sinn“ zu schreiben.

Ist super für die Suchmaschinenoptimierung, also eigentlich echt nützlich, könnte man meinen – ist es aber nicht, weil Google zuviel Sinn abmahnt, Google meint nämlich, in der Häufung eines Begriffs, Sinnlosigkeit zu erkennen. Da stellt sich gleich die nächste Frage: Wie kann man alles wissen und so wenig Sinn für Sprache haben.

…vielleicht liest man sich wieder …

 

 

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