Fehlkäufe und andere Erkenntnisse im Kleiderschrank

Fehlkäufe und andere Erkenntnisse im Kleiderschrank

Erkenntnisse im Kleiderschrank? Wie bitte? Nein, ich teile nicht das traurige Schicksal von Harry Potter, der in jungen Jahren unter der Treppe in einem Wandschrank hausen musste. Ich habe den Titel etwas verkürzt und meine damit eigentlich Erkenntnisse, die den Kleiderschrank betreffen. Im Kleiderschrank wäre aber gar nicht so falsch, da ich tatsächlich ein Kleiderzimmer mein eigen nenne, in dem ich kürzlich eine gemütliche Sitz-, Lese- und Kontemplationsecke eingerichtet habe. Selbstverständlich hat auch das Kokettier dort ein Plätzchen.

Das Kokettier im Kleiderschrank

In jenem Kleiderzimmer habe ich in letzter Zeit einige Exempel  statuiert und das ist auch der Grund, weshalb ich einen Flohmarktstand derart großzügig bestücken kann.  Immer wieder haben mich am Stand Leute gefragt, wieso ich dieses oder jenes verkaufe, das sei doch schön, das stehe mir doch bestimmt gut, das sei doch bestimmt teuer gewesen. Ja, das stimmt, ja, vielleicht und ja, möglich. Kann schon sein, aber, und das musste ich mir dann auch sagen, wenn ich kurz darüber nachdachte, etwas aus dem Verkauf zu nehmen, um es ab da ständig zu tragen (höhö), es gibt einen Grund, wieso ich dieses Teil aussortiert habe. In der Regel lautet dieser Grund: Es waren Fehlkäufe. Ein Fehlkauf kann diverse Ursachen haben, etwas kann sich auch erst nach einiger Zeit als Fehlkauf herausstellen, hier ein  Best of:

Fehlkäufe Quelle Nummer 1: Die Einkaufssituation

Fehlkäufe geschehen bei mir dann, wenn ich aus Frust shoppen gehe, einfach, weil ich dann meine, mir jetzt etwas kaufen zu müssen oder mich von motivierten Verkäuferinnen und Verkäufern in etwas hineinquatschen und mir etwas aufschwatzen lasse. Positives Feedback und so… furchtbar.  Noch schlimmer ist es, wenn ich unter Zeitdruck bin. Wenn ich mich schnell entscheiden muss, entscheide ich mich häufig für etwas, aus Angst, es sonst zu bereuen. Am schlimmsten ist die Kombination aus Zeitdruck und einer fehlenden Rückgabemöglichkeit. Das muss nicht zwangsläufig zu einem Fehlkauf führen, bringt in der Regel aber eine veritable Nachkauf-Dissonanz mit sich. Das ist genau der Grund, warum ich in letzter Zeit kaum noch in Boutiquen gehe. Je mehr Zeit ich in Anspruch nehme, desto schwerer fällt es mir, mit leeren Händen zu gehen. Die Umtauschmöglichkeiten sind in der Regel eingeschränkt und das Personal ausgezeichnet geschult im Umgang mit frustrierten Shopperinnen. In größeren Geschäften, Markenshops oder Kaufhäusern ist das in der Regel weniger problematisch. Am liebsten ist mir inzwischen aber Onlineshopping. Hier kann ich in aller Ruhe, unter Berücksichtigung meiner Stimmung und Einbeziehung meines kompletten Kleiderschranks wählen, was ich tatsächlich behalten möchte und was nicht

Fehlkäufe Quelle Nummer 2: Der Sitz

Im Geschäft saß noch alles. Oder immerhin gut genug, um zu sagen, ach, das ist doch schön. Zumindest haben das die anderen gesagt, die Verkäuferin und so. Es sieht aber einfach nie gut aus, wenn Kleidung nicht richtig sitzt. Wenn sie ungewollte Falten schlägt, man sich kaum bewegen kann, Knöpfe nicht zugehen oder Abnäher nicht dort sitzen, wo sie sollen. Wenn Kleidung für größere oder kleinere Menschen gedacht war, zu lang oder zu kurz ist oder bestimmte Bereiche an der falschen Stelle sitzen, dann ist das schlicht und ergreifend nicht vorteilhaft. Egal, wie schön das Kleidungsstück an sich ist, wie günstig, hip oder außergewöhnlich es auch sein mag. Eine Hose zu kürzen ist in der Regel gut möglich, den Saum auszulassen, um sie länger zu machen, auch. Einen zusätzlichen Abnäher im Rücken ergänzen oder einen Knopf versetzen, kann man durchaus, wenn man einen guten Schneider hat. Bei allen anderen Änderungen muss man vorsichtig sein, dass der Wert der Änderung nicht den des Kleidungsstücks übersteigt oder zumindest in einem sinnvollen Verhältnis steht. Zudem muss man beachten, dass manche Materialien nicht sehr änderungsfreudig sind, weil beispielsweise sichtbar bleibt, wo die Naht zuvor saß.

Fehlkäufe Quelle Nummer 3: Das Trageverhalten

Das Trageverhalten ist quasi das fiese kleine Geschwisterchen vom Sitz. Es offenbart sich nämlich tatsächlich erst dann, wenn man das Kleidungsstück gekauft hat und trägt.

  • Ein Träger, der reibt,
  • ein Reißverschluss, der kratzt,
  • ein Rock der hochrutscht,
  • ein Ärmel der beim Autofahren spannt,
  • ein kurzärmliges Winterkleid, über das kein Mantel passt,
  • ein Stoff, der transparenter ist, als man dachte,
  • ein Rock, über den man stolpert,
  • ein U-Boot-Ausschnitt, der nicht hält,
  • jede Art von Ausschnitt, die verrutscht und regelmäßig zurechtgezupft werden muss,
  • ein Oberteil, das ungewollt bauchfrei wird,
  • eine Hose, mit der man sich nicht bücken oder hinsetzen kann.
  • Stücke, die extrem schmutzanfällig sind und in denen man sich den ganzen Tag unwohl fühlt, nachdem das Kokettier Pfotenabdrücke darauf hinterlassen hat.
  • Kleidung, die extrem knittert, Fusseln anzieht oder auf der jeder Schweißfleck zu einem Mahnmal wird.

Kurz, alles, in dem man sich nicht wohlfühlt. Kleidung, in der man nicht vergessen kann, was man trägt, die einem keine Sicherheit gibt, sondern, die einen verunsichert. Solche Sachen sortiere ich aus, weil ich von meiner Kleidung erwarte, dass sie mir den Rücken stärkt und mir nicht in selbigen fällt.

Fehlkäufe Quelle Nummer 4: Die Verarbeitung

Eine gute Verarbeitung ist besonders dann wichtig, wenn man gerne hautnahe Kleidung trägt. Nichts ist schlimmer, als eine Naht, die sich verabschiedet, wenn man nach einem Buch im oberen Regal greift oder sich bückt, um etwas aufzuheben. Auch ein verlorener Knopf ist ärgerlich, weil er den Rest des Tages ein schlampiges Äußeres hinterlässt. Grundsätzlich sollte man auf gerade, saubere Nähte und sorgfältig angenähte Knöpfe achten. Billige Verschlüsse, die nur mühselig öffnen und schließen, gehen einem irgendwann auf den Geist, genauso wie unüberlegt angebrachte Reißverschlüsse, die das Anziehen unnötig erschweren. Seitliche Reißverschlüsse an engen Kleidern sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Ich hasse es, nach einem langen Tag nach Hause zu kommen, und irgendwann das Gefühl zu haben, mich aus meinem Kleid schneiden zu müssen, weil ich es weder über den Kopf, noch über die Hüften bekomme. Genauso entsetzlich: Morgens in Eile etwas anziehen zu wollen, in dem man auf halbem Wege steckenbleibt, dessen zu engen Kopfausschnitt mit Makeup verschmiert oder bei dem sich eine Naht mit leisem Krachen in Wohlgefallen auflöst.

Fehlkäufe Quelle Nummer 5: Das Material

Manche Materialien mag ich einfach nicht mehr. Meist, weil ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Dazu gehören 100% Acryl, Polyester, Polyamid. Als Mischfaser lasse ich mir diese Kunstprodukte noch gefallen, imFitnessshirt sind  meinetwegen auch 100% okay, aber wer schon einmal erlebt hat, wie sich ein Polyesteroberteil in einem nichtklimatisierten Büro bei circa 33 Grad Raumtemperatur verhält und wie man sich dabei fühlt, wird mich verstehen können. Genauso wenig mag ich ein deutlich erleseneres Material – Maulbeerseide. Diese matte, weiche, edle Oberfläche ist nämlich so empfindlich, dass ihr fließender Schimmer schneller Geschichte ist, als man Handwäsche, Bügeltuch und keine spitzen Gegenstände sagen kann. Grundsätzlich sind Kleidungsstücke aus reiner Seide nicht mehr mein Fall, da sie schnell kleben, Flecken bilden, knittern und nur mit großem Aufwand wieder in den Ursprungszustand zu bringen sind, wenn überhaupt. 

Fehlkäufe Quelle Nummer 6: Die Pflege

Die Pflege ist eng verwandt mit dem Material, bedingt das Material doch die Pflege. Zur Pflege gehören das Waschen, das Aufbewahren und das Bügeln. Aber auch das Fusseln und das Anziehen von Fusseln sind Pflegethemen. Kaschmir ist neu ein Traum, beginnt aber recht bald mit dem typischen Pilling, und während man bei Mischgarnen schon mal richtig zupfen kann, muss man bei Kaschmir deutlich sanfter vorgehen und riskiert, selbst mit den häufig empfohlenen Fusselrasierern, durchaus, ein Loch in das kostbare Stöffchen zu rasieren. Abgesehen davon sind Motten mein größter Alptraum und da diese Kaschmir allen anderen Fasern vorziehen, stehe ich dem Luxusgewebe ein wenig zwiespältig gegenüber. Samt ist nicht nur in, sondern auch sinnlich in der Haptik und schön anzusehen obendrein. Fusseltechnisch aber, ist Samt ein Alptraum, genauso wie alle anderen rauhen oder strukturierten Oberflächen. Wer, wie ich, Schwarz liebt, ist ganz besonders arm dran. Samt hat – ähnlich wie Maulbeerseide – zudem den Nachteil, schlierig zu werden, im schlimmsten Fall sogar nackt, wenn, z.B. durch einen Autogurt, Druck auf den Velours ausgeübt wird. Manche Blusen vertragen keine noch so kurze Reise im Koffer, ohne aufgebügelt werden zu müssen, manche Kleider sind fast nur noch durch eine Reinigung in einen tragbaren Zustand zu versetzen. Was grundsätzlich gereinigt werden muss, kann durchaus zu einem Kostenfaktor werden, je nachdem, wie gerne und häufig man das Teil trägt. In Boutiquen bekommt man gerne gesagt, dass Handwäsche kalt kein Problem sei. Pustekuchen, ich habe die Erfahrung gemacht. Ein Trenchcoat, dessen Futter länger als das Obermaterial ist… nicht gut. Ein Blazer, dessen Ärmel auf Kinderlänge schrumpfen, ebenfalls nicht toll und ein Kleid, das plötzlich Puppengröße hat… ich lasse es dabei bewenden. 

Jenseits von Fehlkäufen: Paradigmenwechsel

Abgesehen von Fehlkäufen, die material-, pflege- oder tragebedingt sind, gibt es auch noch die, die durch  eine Veränderung der eigenen Vorstellungen, des Geschmacks oder der Figur entstehen. Keine eigentlichen Fehlkäufe, sondern Dinge, die einfach aussortiert gehören, weil sie nicht mehr ins Bild passen. Bei mir sind das beispielsweise kurze Röcke und Kleider, die ich  nicht mit blickdichten Strumpfhosen tragen kann. Ich liebe Shorts, aber kurze Röcke mag ich an mir einfach nicht mehr.

Fazit

Grundsätzlich gilt: Wenn man ein Teil mehrmals in der Hand hatte, anziehen wollte und dann aus unterschiedlichen Gründen verworfen hat, kann, nein sollte man es aussortieren. Es frustriert, ständig etwas für ungeeignet befinden zu müssen, es hält unnötig auf, verschwendet Zeit, Energie und macht schlechte Laune. Also, gebt ungeliebten Kleidern die Chance auf ein neues Zuhause, in dem sie geschätzt und getragen werden. Und für  alle, die meinen, den Dingen nachzuweinen. Erfahrungsgemäß ist man im ersten Moment erleichtert und danach gilt das Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“.

In diesem Sinne:

… vielleicht liest man sich wieder …

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