Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist…

Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist…

… schön? Naja, geht so, muss ich sagen.

Dabei fing alles so gut an:

Dank einer neuen Preispolitik der Bahn, ist der Unterschied zwischen 1. Klasse und 2. Klasse inzwischen so überschaubar, dass man sich getrost für die komfortablere 1. Klasse entscheiden kann. Das tat ich dann auch, in Hinblick darauf, dass ich vorhatte, während der Fahrt zu arbeiten. Die komfortable Onlinebuchung übers Handy funktionierte einwandfrei und Abfahrt und Ankunft des Zugs passten ausgezeichnet in meine Planung. Am Bahngleis empfing mich ein herrlicher Sonnenaufgang und der ICE traf pünktlich ein.

Bahnsteigdetail – irgendwie instagrammable

Doch, wenn ich mir das Szenario um mich herum so betrachte, bin ich nicht sicher, ob ich mich erneut gegen mein Auto und für die Bahn entscheiden würde und wenn ich mich für die Zugfahrt entscheiden würde, ob die 2. Klasse eventuell weniger Unbill mit sich brächte…. Wobei ich einräumen möchte, dass ich vielleicht heute einfach nur besonders viel Pech habe.

Mein Wagen hält ganz am Ende des Bahnsteigs, nur wenige steigen ebenfalls ein, die 1. Klasse ist nahezu leer. Auf meinem Platz sitzt allerdings bereits jemand, der mich bittet, sich woanders hinzusetzen, ihm würde schlecht, wenn er gegen die Fahrtrichtung sitze… 

Geschenkt, kein Problem. Ich nehme Platz, davon gibt es schließlich genug. Kaum habe ich mich häuslich eingerichtet, nimmt jemand hinter mir Platz… und das Grauen nimmt seinen Lauf. Sein Fuß steckt in nichts als einer Flip Flop Sandale, die er in schöner Regelmäßigkeit ausstreckt, um seine mäßige Pediküre zu präsenteren. Ist das sein Ernst?! Wer tut so etwas? Zunächst einmal, wer trägt im Januar überhaupt Flip Flops und dann – wieso in Gottes Namen im ICE?

Das Grauen hat einen Namen – wieso tut jemand so etwas?

Derweil hat auch mir gegenüber jemand Platz genommen… ein Junge, der außerordentlich höflich ist, allerdings seltsamerweise Chips für einen adäquaten Frühstücksersatz hält… der Geruch steigt mir in die Nase und schlägt mir umgehend auf den Magen.

Darüber hinaus bemüht er mehrfach die Zugbegleiterin, die zwar ausnehmend freundlich, aber offensichtlich nicht frisch geduscht ist, dafür aber beflissen alles Gewünschte heranschleppt (Apfelschorle, Cappuccino, eine Speisekarte, mehr Chips).

Ein Passagier, den ich nicht sehen kann, scheint einen starken Schnupfen, aber keinerlei Taschentücher zu haben und eine Gruppe fröhlicher Rheinländer freut sich lautstark am Platzangebot und ist offenbar wild entschlossen, sämtliche Vorzüge der 1. Klasse auszukosten … „Jibbet auch Zeitungen?“ „Sachens, hann Se auch Milchkaffee?“ „Kriech ich nochens wat von denne  Kekse?“

Angesichts dieses Panoptikums, bin ich sehr froh, das Kokettier daheimgelassen zu haben. Wieso? Weil ich mit diesem lieblichen Wesen an der Seite so ansprechbar werde und aktuell bin ich äußerst dankbar dafür, mit meinem angeschlagenen Magen und einem stetig wachsenden Widerwillen (ich stelle gerade fest, dass mir auch schlecht wird, wenn ich in Fahrtrichtung sitze…), wenigstens keine Konversation treiben zu müssen. Ich freue mich schon auf die Rückfahrt…

Gähnende Leere? Doch was lauert zwischen den Plätzen….

… vielleicht liest man sich wieder …

 

 

4 Replies to “Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist…”

  1. Da denke ich doch glatt an das alte Schullied „eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön…“ 🙂
    Ich kann mich sehr gut in die Situation hineinversetzen, ich mag deinen Schreibstil! Ich pers. fahre sehr ungern mit den ÖV, einerseits wegen Geschichten wie diesen und andererseits, weil ich das Autofahren so sehr liebe. Ich schätze die Ruhe, die Unabhängigkeit und Freiheit im/mit dem Auto.

    Liebe Grüsse
    Ella
    http://www.gedankenchaos.com

    1. Liebe Ella,
      herzlichen Dank für die moralische Unterstützung.
      Ich werde mein Auto zukünftig noch mehr zu schätzen wissen… es ist und bleibt ein Stück mobiles Zuhause.
      Bin gerade in den Zug zurück eingestiegen…
      …to be continued…
      Liebe Grüße,
      Carolin

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