Dummes Huhn? Da lachen ja die Hühner

Dummes Huhn? Da lachen ja die Hühner

  • Es ist sprichwörtlich, das dumme Huhn, und nicht nur das. Einige Redensarten spielen mit dem Huhn und seinen Eigenschaften.
  • Sattelt die Hühner, wir reiten nach Texas. Oder: Lass uns die Hühner satteln.
  • Da lachen ja die Hühner.
  • Wie die Hühner auf der Stange.
  • Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.
  • Da kräht kein Hahn nach.
  • Mit den Hühnern aufstehen.
  • Wie ein aufgescheuchtes Huhn herumrennen.
  • Wer gackert, muss auch legen.
  • Blindes Huhn.
  • Und was im Deutschen die Gänsehaut ist, ist im Französischen die „chair de poule“ – die Hühnerhaut.

Es scheint so zu sein, dass das Huhn eine gewisse Relevanz für unsere Gesellschaft besitzt. Und tatsächlich. Das Haushuhn, lateinisch „Gallus Gallus domesticus“  gilt als das häufigste Haustier des Menschen. Laut Wikipedia sind es 20 Milliarden – und zwar Tagesbestand. Geschlachtet  werden rund 45 Milliarden im Jahr. Hinzu kommen die Eier. Ein echtes Nutztier also.

Doch nicht umsonst ist das Thema Hühnerhaltung immer wieder Inhalt von Tierschutzinitiativen und gerät auch regelmäßig in den politischen Fokus. Massentierhaltung in Legebatterien und die Erreichung der Schlachtreife in wenigen Wochen unter üblen Bedingungen sind hier die Hauptpunkte. Doch darum soll es hier nicht gehen.

Ich möchte heute ein paar Eindrücke teilen, nach denen man Geflügelfleisch und Eier nur noch vom Hofladen beziehen möchte -oder die Hühner gleich selbst im Garten halten will. 

Hühnereier – jedes ein Unikat Foto: Nicole Jacob

In dem Magazin „Country“ erschienen bereits vor etlichen Jahren (auweia, ist das lange her) Artikel zu Zwerghühnern, verschiedenen Rassen und deren Haltung. Meine Mutter dachte damals ernsthaft darüber nach, sich einige dieser hübschen Kerlchen anzuschaffen. Das  täglich gesicherte Bio-Frühstücksei und dieses herrliche Feeling von Landleben, das sofort aufkommt, wenn man Hühner frei herumlaufen und scharren sieht und vor sich hin gackern und gurren hört, sind gute Argumente. Dennoch wurde nichts daraus. Bislang zumindest.

Der Geflügelzuchtverein Roth e.V. lud mich am vergangenen Wochenende zur Geflügelausstellung ein, zu der ich es leider nicht rechtzeitig schaffte. Doch auch im Anschluss nahm sich der 1. Vorsitzende, Rainer Haffner, Zeit, erzählte und erklärte, zeigte mir einige Tiere, die ich sogar auf den Arm nehmen durfte und vermittelte dabei ganz viel Begeisterung für ein Hobby, das durchaus kulturelle Relevanz besitzt, denn ohne engagierte Züchter, wäre die in jahrtausendelanger Domestikation (in China erste Belege aus dem 6. Jahrzausend v. Chr.) entstandene Vielfalt nicht aufrechtzuerhalten. Rund 180 verschiedene Rassen und Farbschläge werden alleine im europäischen Standard geführt. Die Farbvielfalt, die unterschiedlichen Kammformen, der Befiederungsgrad oder die Beschaffenheit des Gefieders sind hier nur einige der Kriterien.

Ich war allein von der Farbpracht der Exemplare, die ich vorgeführt bekam, begeistert. Ein Hahn mit orangebraunen glänzenden Federn und matten grauen (in der Fachsprache „Blau“) Federn. Spektakulär und eine tolle Mode-Inspiration – schmücke ich mich eigentlich mit fremden Federn, wenn ich die empfehle? Und dann bekam ich den Prachtkerl auf den ausgestreckten Arm gesetzt, die Beine werden dabei zwischen den Fingern fixiert, so dass das Tier ganz bequem mit der Brust auf dem Handgelenk ruht.

  • Die Federn fühlen sich seidig und weich an.
  • Die Beine sind ledrig, ein wenig hornig-
  • Der Kamm ist fast gummiartig.
  • Ganz weich ist die sogenannte Ohrscheibe, die schräg hinter dem Auge sitzt und deren Farbe Aufschluss über die Eierfarbe geben kann. Hühner mit weißen Ohrscheiben legen in der Regel weiße Eier, Hühner mit dunklen Ohrscheiben braune Eier, bei nicht reinrassigen Hühnern kann diese Regel aber auch einmal versagen.
  • Beim Kamm wird zwischen Einzelkamm und Rosenkamm unterschieden. Der Einzelkamm hat Zacken, man spricht hier von Kammzähnen, die je nach Rasse in Anzahl und Beschaffenheit variieren. Der Rosenkamm ist wulstig und besitzt keine Zacken.
  • Desweiteren gibt es noch den Kehllappen, der ebenfalls sehr unterschiedlich ausfallen kann.
  • Generell gilt, dass die Hennen ebenfalls Kamm und Kehllappen besitzen, aber in viel kleinerer Form als die Hähne. So wie sie auch die Farben aufweisen, aber eben viel weniger prächtig als beim Hahn. 

Der „Kampfhahn“ ist übrigens nicht weit hergeholt, ist es doch so, dass allein die Anwesenheit von Hennen reicht, um eine Kabbelei auszulösen, bei der sich die Herren mit Vorliebe in die Kämme hacken. Daher ist ein „Hahn im Korb“ mehr als genug. 

Ganz erstaunt war ich, wie ruhig die Tiere bleiben, wenn man sie anfasst. Hühner gewöhnen sich an den Umgang mit Menschen, können im Extremfall anhänglich wie Hunde werden. Tatsächlich haben sie auch eine total beruhigende Wirkung, das bestätigen auch langjährige Hühnerhalter

Außerdem überraschte es mich, dass die prächtigen Ausstellungshähne gerade einmal ein halbes oder dreiviertel Jahr alt waren. „Sie wachsen so schnell, dass man zuschauen kann!“ wurde mir dann auch von Christine Haffner, der Tochter von Rainer Haffner, bestätigt. Sie hat ihre eigenen Hühner, wenn auch keine 38 wie der Vater, und stellt auch aus. Geflügelzucht ist ein Familiending, stellt man fest. Die Begeisterung wird offenbar vererbt. Sie kann aber auch ansteckend sein, also Vorsicht!

Mehr Informationen zum Thema Hühnerhaltung findet man zum Beispiel hier oder bei einem regionalen Geflügelzuchtverein.

Der Rother Geflügelzuchtverein hat außerdem eine fabelhafte kleine Broschüre erstellt, in der beschrieben ist, worauf man bei der Hühnerhaltung achten muss und warum es gar nicht so kompliziert ist, drei, vier Hühner (weniger sollten es nicht sein, da es sehr soziale Tiere sind) im eigenen Garten zu halten. Sie sind auch, anders als man vielleicht annimmt, weder laut, noch stinken sie.

  • Nur 10-15 Minuten am Tag muss man für die Fütterung, die Stallhygiene und das Einsammeln der Eier einplanen.
  • Drei Zwerghühner können schon auf ca. 5 qm gehalten werden. Sie brauchen einen erhöhten Hühnerstall mit Freilauf unter dem Hühnerhaus und ca. 2-3qm eingezäunten Auslauf.
  • Rechtlich ist eine kleine Hühnergruppe meist auch in reinen Wohngebieten erlaubt, das sollte aber vorher, vor allem mit den Nachbarn abgeklärt werden.

    Wie gemalt – lauter kleine Kunstwerke
    Foto: Nicole Jacob

Wer Fragen, Interesse an der Broschüre oder an einem persönlichen Kontakt hat, kann sich bei mir melden – ich vermittle gerne.

Und zu guter Letzt noch ein paar spannende Fakten:

  • Hühner brauchen keinen Hahn, der bloß krakeelt ;-), sie legen auch so Eier.
  • Jedes Huhn legt individuell gefärbte und geformte Eier, man kann also mit der Zeit zuordnen, welche Henne das Ei gelegt hat.
  • Die Größe der Eier variiert über den Lebenszyklus der Henne hinweg.
  • Nach etwa 2 Jahren beginnt die Zahl der Eier abzunehmen, mit 3-4 Jahren legen sie nur vereinzelt, ein Huhn kann aber theoretisch bis zu 20 Jahre alt werden.
  • Die für die Eierproduktion genutzten Hybridrassen legen bis zu 365 Eier im Jahr, also jeden Tag eins. Dementsprechend sind ihre Knochen nach kurzer Zeit geschädigt, da das Calcium für die Eier benötigt wird.
  • Alte Rassen legen 80-150 Eier im Jahr, dabei gibt es durchaus Legepausen, die von den Jahreszeiten, vor allem vom Licht abhängen und in der Regel von Oktober bis Ende Februar gehen.
  • Mit 3-10 Hühnern könnte ein Haushalt quasi zum Selbstversorger werden.

 

  • Henne mit Küken
    Foto: Nicole Jacob

Das Kokettier würde ein eigenes Huhn sicherlich auch nett finden. Ein Freund auf Augenhöhe, Eier frisst es gern und da sie keinerlei Jagdtrieb besitzt, würde sie vermutlich gar nicht auf die Idee kommen, dass ihr Lieblingsfutter neben ihr sitzt. Zudem ist so ein Huhn mit seinem scharfen Schnabel ganz schön wehrhaft… nichts für das wehleidige Kokettier.

…vielleicht liest man sich wieder …

 

 

 

 

 

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