Ausblick mit Aussicht auf Aussicht

Ausblick mit Aussicht auf Aussicht

Kennt noch jemand das Gefühl, wenn sich das Gehirn an einem Satz, einem Wort, oder einer Wortgruppe festgebissen hat?  Wenn es mit diesen Vokabeln jongliert, bastelt und kreiert? Und damit die Kapazitäten für Sinnvolles oder zumindest Sinnvolleres fehlen? Zuletzt geschehen, beim Lesen des leicht surreal anmutenden Filmtitels:

„Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“

Keine Ahnung, wieso ich darüber gestolpert bin, was ich eigentlich gesucht habe. Den Film habe ich zwar gesehen, erinnere mich aber kaum noch, ungestützt gar nicht, an die Handlung.

Nun wäre es im nachmittäglichen Zuckertief naheliegend gewesen, sich an den Fleischbällchen festzubeißen, doch während die Wahl des Kokettiers eindeutig gewesen wäre, reizte mich die „Aussicht“. Möglicherweise Nachwehen der abklingenden Neujahrsvorsätze, die stets an die Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft gekoppelt sind, vorausgesetzt, sie haben Aussicht auf Erfolg.

Ausblick auf Aussicht

Aussicht vs. Ausblick

So ist die Aussicht auf etwas in der Zukunft oder etwas Reales vor dem Fenster meist etwas Schönes, ist sie doch eindeutig positiv konnotiert oder muss explizit verneint werden:

„Eine schöne Aussicht“, „keine schöne Aussicht“, aber eher untypisch, „eine scheußliche Aussicht“

Ein Ausblick ist da neutraler, gerade was die Zukunft angeht, denn einen Ausblick gibt man, auf das, was kommt, komme, was da wolle.

Der Ausblick ist auch numerisch und qualitativ nicht greifbar, während die Aussicht, je nach Prognose, aussichtsreich oder aussichtsarm, aussichtsvoll oder aussichtlos daherkommt.

Geben ist seliger denn nehmen

Die Aussicht aus dem Fenster ist eine Frage der Perspektive, während die Aussicht in die Zukunft Perspektive gibt. Die Aussicht nehmen, kann man jemandem, indem man sie ihm verstellt.

Den Ausblick aus dem Fenster hat man, während man den in die Zukunft gibt. Wer keinen Ausblick gibt, verwehrt ihn.

Aussicht gibt man generell nicht, die hat man bloß.

Arm vs. reich

Aussichtsreich ist ein Unterfangen dann, wenn es Aussicht auf Erfolg hat. Ein Vorhaben ohne Aussicht auf Erfolg ist hingegen aussichtlos.

Aussichtsvoll und aussichtsarm sind weniger häufig zu finden, entsprechen aber quasi dem halbvollen bzw. dem halbleeren Glas und sind auch damit wieder eine Frage der Perspektive, weil Auslegungssache.

Und nur der Vollständigkeit halber, ein halbloses oder halbreiches Glas gibt es nicht, auch wenn die Logik, der Vollständigkeit und des Sprachreichtums zuliebe, danach verlangen könnte.

 

Irgendwie fühlt sich mein Kopf, von diesen schwerwiegenden Gedanken befreit, tatsächlich leichter an und ich kann mich wieder meinem ursprünglichen Vorhaben widmen:

Meinem Konzept…

… damit ich demnächst einen Ausblick geben kann, in der Hoffnung, dass das ganze Aussicht auf Erfolg hat.

In diesem Sinne.

… vielleicht liest man sich wieder …

Yedi? Yoda? Nein, das Kokettier…

 

2 Replies to “Ausblick mit Aussicht auf Aussicht”

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